Kurzgeschichten

Postmortales                                                                                                               Wolfram Kaiser 2011  Mit einem Ruck erwachte ich! Wo? Was?                                                                                                      Eine VIP Longe? An einem Flughafen, vielleicht? Bequeme Sessel, Clubtische, Teppichboden. Menschen kamen, schauten verwundert, setzten sich, andere standen auf, gingen. Junge, Mittlere und aber hauptsächlich Ältere. Eine seltsame Stimmung herrschte, etwas Ungewisses?               Ich beobachtete die Szene, bis mir langweilig wurde, auf dem Tisch lag eine Broschüre, die ich durchblätterte, verstand aber nicht viel davon. Etwas von Überkapazitäten nach dem  Ende des kalten Krieges, ausbleiben des atomaren Overkills, Redimensionieren im postmortalen Eingangsbereich, Umstrukturieren, Outsourcen usw. Kundenfreundlicher dank Zugriff auf die Leistungen beider Abteilungen. Man soll doch bitte so gut sein und eine Nummer beim Automaten beziehen, man werde dann aufgerufen. Etwa wie auf der Post.                                                                Ich liess noch etwas Zeit verstreichen bis ich mir das Ticket holte und wartete bis die Nummer auf der Anzeigetafel neben dem Buchstaben „C„ aufleuchtete. Dann begab ich mich auf die Suche nach dem Schalter. Der Geruch dort war nicht sehr angenehm. Schwefel? Ich öffnete die Türe und da sass :“DER TEUFEL.“ Ich schlug die Türe sofort wieder zu, das kann nicht sein, ich bin nicht so ein schlechter Mensch, gut, in der Kirche war ich nie sehr aktiv, mehr ein Passivmitglied,und als Jugendliche haben wir manchmal Einschillingstücke gewechselt und sind damit in den „Löwen“ zum Kegel, aber das kann doch nicht so schlimm, nie habe ich Jemand ein Leid zugefügt..                                                                                                                                                              Da brüllte er-„Kaiser daher“- auweia der kennt sogar meinen Nahmen.                                          Vorsichtig öffnete ich wieder die Türe und zögernd trat ich ein:“ Grüss Gott.“ Sein  Kopf wurde Feuerrot. Die dummen Sprüche könne ich sofort vergessen und wenn ich die Broschüre richtig gelesen hätte, wüsste ich dass hier jetzt zusammengearbeitet wird und weil er der Sachbearbeiter sei heisse das nicht automatisch dass man in die Hölle komme, ich hätte ein völlig veraltetes Bild. Für mich sei Planquadrat Q2 vorgesehen-„was heisst das?“-das sei für talent- und erfolglose Kleinkünstler wie mich, und diskutiert werde nicht, oder ob ich das Gefühl habe, meine Kunst währe etwas. Etwa meine Bilder, oder das Gedudel, oder meine Schauspielerei, das mindeste seien sowieso meine Texte, „aber es gibt nur“ eben, vor allem die Passage mit dem Teufel –das allerletzte.-Ausserdem hätte ich alle 2 Wochen Anrecht auf einen Wellnessaufenthalt in der Hölle und er habe nicht ewig Zeit, mein  Shuttle gehe in 2 Himmelsminuten und wenn ich mich nicht beeile verpasse ich den und blockiere hier alles.                                                                                                                                                                 Draussen war ich, hat sich nicht wirklich viel geändert zwischen meinem Prä- und Postmortal „Sein“.                                                                                                                                                                        Ich wartete dann, Himmelsminuten sind nicht wirklich kurz.                                                              Einige Zeit später erreichte ich mit dem Wolkenshuttle nach kurzer Fahrt mein neues Zuhause“ Q2“. Ich wurde herzlich empfangen, bei einem Begrüssungsapero lernte ich die anderen „Kleintalente“ kennen. Eine fröhliche Truppe mit der es immer lustig ist und mit ihrer kreativen Energie immer einen Grund für eine aussergewöhnliche Feier findet.                                                      Das Fazit? Ich hab es gar nicht so schlecht getroffen, nicht gerade der grosse Tod, ein wenig wie das Leben. Weil ich da schon flexibel war, komm ich doch noch etwas unter die Engel. Einen defekten Stern reparieren, eine Wolke neu Streichen, ein kleiner Auftritt irgendwo.                                 Die grösste Freude bereitet uns aber wenn ein ganz Wichtiger in den Himmel kommt und dann Stolz an uns vorbeifährt, auf dem Weg zum Planquadrat A1. Wenn ich auf Reparaturdienst bin, dann sehe ich Sie, im Jetstream, bei Minus 60 Grad in der Haupflugschneise, mit Rotznasen bis, ich sag gar nicht wie lange, nicht wirklich gemütlich. Dann denk ich mir-„die beim Empfang, die haben doch einen recht Skurrilen Humor.“